Der Zürcher Musiker Dodo wollte nach Afrika. Corona macht ihm aber einen Strich durch die Rechnung. Darum hat er kurzerhand einen Schiffscontainer zu einem Musikstudio umfunktioniert und tourt damit durch die Schweiz. Beziehungsweise über die Pässe.

Text, Bild, Video: Pascal Müller

Es wirkt, als sei es vom Himmel gefallen: das knallorange Ding gleich neben der Sidelhorn Bergstation. Ein leuchtend oranger Schiffscontainer – mit entsprechender Strahlkraft. Bereits auf der Grimsel-Passstrasse sticht er ins Auge, ist sogar vom Hospiz aus zu erkennen.

«Die schönsten Geschichten beim Reisen entstehen auf Umwegen. Wenn etwas nicht so läuft, wie du es dir vorgestellt hast. Nun, das ist meine Geschichte», sagt der Zürcher Musiker Dodo.

Und der Bewohner des ausserirdisch anmutenden Quaders fühlt sich dort oben ein bisschen wie der König der Welt: Dodo, der Zürcher Reggae-Musiker, entschuldigung: Reggae-Star, tüftelt in der massiven Haslitaler Bergwelt an seinem neuen Album. Eigentlich wollte er dafür nach Afrika. «Und jetzt habe ich das Glück, am schönsten Ort der Welt zu sein: auf der Grimsel.»

Auf zu neuen Ufern

Seit zwei Jahren bastelte er an seinem Plan, zurück in seiner zweiten Heimat Afrika ein neues Album aufzunehmen. Die ersten sechs Jahre seines Lebens verbrachte der Musiker und Produzent an der Elfenbeinküste. Entstanden ist die Idee, als sein Zürcher Studio, das gleichzeitig seine Wohnung war, abgerissen werden sollte.

Stausee statt Meer: Dodo war bereit, im fernen Afrika ein neues Album einzuspielen. Corona kam und führte den bekannten Schweizer Reggae-Musiker auf den Grimselpass.

Dodo, der mit bürgerlichem Namen Dominik Jud heisst, blickte auf die Frachtcontainer des benachbarten Transportunternehmens und sagte sich: «Wenn ihr mein Studio dem Erdboden gleichmacht, dann wird mein neues Studio den Erdball umrunden.» Der Zürcher setzte sich in den Kopf, ein neues mobiles Musikstudio einzurichten. In einem Schiffscontainer.

Elf Tonnen Stahl

Gesagt, getan. Wobei es verständlicherweise einiges an Organisation bedurfte, um die über elf Tonnen Stahl in ein funktionstüchtiges Studio zu verwandeln. Und sie hernach zu verschiffen. Im Februar sei er bereit gewesen, habe alles organisiert, den Platz für sich und seinen Container auf dem Frachtschiff. Die Zusammenarbeit vor Ort, zuerst an der Elfenbeinküste, später in Südafrika. Dann kam Corona. Und nun steht das «Ministry of good vibes», so der Name seines orangen Bijous, also auf dem Grimselpass.

Der Hausherr gibt, wie der Name verspricht, den Minister der positiven Schwingungen.

Ein Büezer

Er sei ein «Büezer» seines Traumes. Dodo erzählt von einer früheren Reise durch Afrika, «13 Länder per Autostopp», von Südafrika nach Äthiopien, in Mosambik habe er sich Malaria eingefangen. Er sei im Delirium gelegen, Dodo schildert eine Art Nahtod-Erlebnis. «Von da an habe ich mir geschworen, dass ich nur noch mache, was ich liebe.»

Der Mann für die fetten Beats: Der Berner Produzent «Big-J» arbeitet seit Jahren mit Dodo zusammen.

Und dass er es liebt, von der Musik leben zu können, das ist spürbar. Er spricht nicht ohne Stolz davon, dass er mit der Rapperin Steff La Cheffe zusammengearbeitet hat, dass er ihr erstes Album produzierte. Dann habe es irgendwann «bäng» gemacht. Er brachte «Zucker fürs Volk» raus, das gefeierte Debut-Album von Lo&Leduc, arbeitete mit Nemo zusammen; das «Who is Who» der Schweizer Charts-Szene gab sich in seinem Studio die Klinke in die Hand.

«Ich habs geschafft.» Dodo macht keinen Hehl daraus, dass er stolz darauf ist, von der Musik leben zu können.
Zaubern Hits am Laufmeter aus dem Hut: das Produzenten-Duo Dodo (links) und Kumpane «Big-J». Die beiden produzierten bereits diverse nationale Charts-Acts, wie zum Beispiel Steff La Cheffe, Lo&Leduc oder Nemo.
Und ein Star

Auf die Frage, was er denn nun genau sei, Musiker oder Produzent, sagt Dodo: «Reggae-Musiker und Produzent», überlegt und sagt: «Nein. Reggae-Star. Und Produzent.» Sein rege frequentiertes Studio gibt es heute so nicht mehr. Zuerst Abriss, dann, als Dodo sich wieder aufgerichtet hatte, Corona-Virus. Er krempelte um, schrieb im Lockdown eine neue Single («Türe gaht uf») und, nomen est omen, eine Tür ging auf: «Die Pässe sind die Häfen der Schweiz», sagt der Reggae-Star. «Hier entspringt das Wasser, das einen letztlich nach Afrika treibt.» Der Grimselpass ist seine erste Station. Weitergehen soll es auf dem Furkapass. Danach vielleicht der Oberalppass.

Aussen Stahl, innen High-Tech: Das mobile Studio verfügt über modernstes Equipment.
Sein neues temporäres Zuhause. Bei der Arbeit an seinem neuen Album will sich Dodo von der Haslitaler Bergwelt inspirieren lassen.

Wobei etwas, das Dodo nicht wirklich in die Rechnung miteinbezogen hat, ist der Schnee. Sein «Ministry of good vibes» wurde vor einigen Tagen bereits ein erstes Mal eingeschneit. Irgendwann im Oktober will der Reggae-Künstler in Basel am Rhein einschiffen. Ziel: Afrika. Ob das nun so klappen wird, das steht in den Sternen – denen der Hitproduzent auf der Grimsel immerhin einen Tick näher ist. Und dass Dodo mit unvorhergesehenen Situationen bestens umzugehen weiss, das hat er unlängst bewiesen.

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