Frehners sind eine neunköpfige Familie. «Wichtig ist das Zusammensein», sagt Mami Jeannette Frehner. Ein Portrait zum Muttertag.
Vor dem grossen Holzhaus in Meiringen stehen eine Menge Velos und ein VW-Transporter. Oben auf der Terrasse schwingt eine regenbogenfarbene Hängematte. Der Bub darin ist fünf und er schaukelt und jauchzt. Seine kleine Schwester steht daneben und schaut ihm mit grossen Augen zu.
Der Zusammenhalt
Sie heissen Emeli, Ephraim, Benjamin, Ueli, Salomé, Elias und Josua. Jeannette Frehner ist Mutter von sieben Kindern. Und dann sind da noch ein Hund, zwei Katzen und zwei Meerschweinchen – und ein grosser Garten. Am Muttertag kommen sie alle, auch Josua, der Älteste, der ausgezogen ist und in der Nähe des Meiringer Elternhauses lebt. Die neunköpfige Familie Frehner wird sich an den langen Küchentisch setzen, Brunch, die Älteren haben vielleicht ein Geschenk dabei, wichtig aber ist die Gemeinschaft. «Familie bedeutet Zusammenhalt», sagt Jeannette. «Füreinander da sein.»

Sie sind zwischen drei und 23 Jahre alt, und während sich der Älteste gerade überlegt, ob er nach seiner abgeschlossenen Berufslehre als Landschaftsgärtner eine neue Ausbildung anfangen möchte, überlegt die Jüngste, Emeli, wie man einen «Kafi Erdbeer» zubereitet, und sie kommt zum Schluss, dass es dafür Mehl braucht und Wasser und Sand. «Mami, du bist krank», sagt sie jetzt, Bruder Ephraim nickt zustimmend, darum brühen Emeli und Ephraim in ihrer kleinen Plastikküche im Garten, etwas, «das der Mami Kraft gibt».


Wenn Familie anstrengend ist, so sieht man es der 49-jährigen Frau nicht an. Jeannette Frehner setzt einen Tee auf, frische Minzenblätter aus dem Garten, setzt sich an den langen Küchentisch, während Emeli und Ephraim draussen spielen. Alle anderen Kinder sind an diesem Donnerstag ausser Haus, später werden sie zum Mittagessen kommen. Ab und zu poltert Ephraim durch die Terrassentür hinein, ruft etwas, und dann poltert er wieder hinaus. Wenn man sieben Kinder grosszieht, bleibt da noch Zeit für anderes?

Die Frau
Jeannette Frehner lernte Verkäuferin, sie machte ein Praktikum als Hebamme, war in England und im Welschland, sie spricht mit ruhiger Stimme und streichelt Anouk, den Hund, der sie aus eisblauen Augen anschaut. Sie wollte mit Menschen zu tun haben, und so lernte sie Krankenschwester, da war sie vielleicht 20. Aber eigentlich wollte sie Bäuerin werden – und Bäuerin wurde sie, nachdem sie von Feuerthalen im Kanton Zürich nach Brünigen gezogen war. Hochschwanger, Zwillinge im Bauch, legte sie die Prüfung ab.

Ihr Mann arbeitete stets 100 Prozent, denn: «Irgendwie muss das Geld reinkommen.» Heute arbeitet der Vater ihrer sieben Kinder auf dem Flugplatz Meiringen, und zusammen schauen Frehners, dass das Budget stimmt. «Grosse Reisen liegen nicht drin, aber Kinder sind ohnehin schöner.»
Jeannette Frehner hat heute ähnlich viele Berufstitel, wie sie Kinder hat. Sie ist Verkäuferin, Krankenschwester, Pilates-Lehrerin, Yoga-Instruktorin, sie tanzte mit Kindern an Schulen, unterrichtete Zumba für Erwachsene – ach, und irgendwann hatte sie noch einen Sennenhund, «auch noch ein Kind», mit dem sie in die Hundeschule ging.

Der Segen
Es gab diese Momente, als sie und ihr Mann sich nur noch «die Türklinke in die Hand gaben» und ihr Kopf nachts ratterte. Aber «die Kinder», sagt Jeannette Frehner, «haben gute Fühler». Und so merkte sie irgendwann selbst, wiederum schwanger, dass sie zurückschalten muss. Sie schaltete zurück, das war vor rund fünf Jahren, und seither ist das Leben ruhiger geworden. Es liegt keine Reue in Jeannettes Stimme, wenn sie über diese Zeit spricht, vielmehr leuchten ihre Augen.

«Ich habe nie ein Kind verloren», sagt Jeannette Frehner, Anouk schüttelt sich, und das Herz an ihrem Halsband klimpert, «es ist ein grosser Segen», Glück auch, die Mutter von sieben Kindern meint, sie hätte sich sogar mehr vorstellen können, zwölf oder so.
Suchte man das Geheimnis von Frehners Familienalltag, vielleicht stünde es im Garten. Ein grosses Trampolin, vier Meter Durchmesser, vielleicht fünf, ein schwarzes Schutznetz, ein blauer Rand. «Das lieben alle. Vom Ältesten bis zur Jüngsten», sagt Jeannette.
Jetzt hüpft Ephraim, ein Überschlag und noch einer, während seine Schwester auf dem Rand balanciert und fragt, ob der Mann, der zu Besuch ist, zum Mittagessen bleibt.